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Teil 4

Das Geräusch des wählenden Stargates riss Elizabeth aus einer Partie Solitär, die sie gerade in ihrem Büro auf dem Laptop spielte.

„Unangemeldete Gateaktivierung von außen, Ma’am“, informierte Chuck sie im selben Moment über Funk.

Rasch stand Elizabeth auf. „Haben wir einen IDC-Code?“

„Ja, es ist Ronon.“

„Schild senken“, befahl Elizabeth und eilte in den Kontrollraum. Sie spürte ein unruhiges Flattern in ihrem Magen. Colonel Sheppards Team wurde erst in ein paar Stunden zum üblichen Check-In erwartet und dass es Ronon war, der sich meldete und nicht John selbst, war ... zumindest ungewöhnlich.

Elizabeth zwang sich dazu, nicht das Schlimmste anzunehmen, aber dieses ungute Gefühl, das wie eine Art sechster Sinn Katastrophen ankündigte, blieb.

„Wir haben nur ein Audio-Signal“, meldete Chuck. „Er wählt das Stargate des Planeten vom Jumper–DHD aus an.“

„In Ordnung.“ Elizabeth nickte dem Techniker zu und verschränkte die Arme vor der Brust. Eine bewährte Taktik, um ihre Finger daran zu hindern, nervös miteinander oder mit dem Saum ihres T-Shirts zu spielen. Das Stargate auf M8H-435 befand sich mitten in der Wüste, wie die Übertragung des MALP gezeigt hatte. Offensichtlich hatte John den Jumper so gelandet, dass das Team das Dorf Palatia zu Fuß erreichen konnte, das Gate aber trotzdem noch innerhalb der Reichweite des Jumper-DHDs lag.

Mit erzwungener Ruhe blickte Elizabeth auf den bläulich schimmernden Ereignishorizont des Stargates. Ein Knistern kündigte die Übertragung an.

„Atlantis? Dex hier.“ Er klang abgehetzt und atemlos.

„Hier ist Dr. Weir“, erwiderte Elizabeth beherrscht. „Wir hören Ronon. Was ist passiert?“

„Sheppard und McKay sind gefangen. Wir müssen sie …“, er schnappte nach Luft, als sei er außer Atem, „sofort da rausholen, brauchen Verstärkung und Waffen. Und Beckett.“

Elizabeth presste die Lippen zusammen. Sie hasste es, wenn sich ein ungutes Gefühl auf diese Weise bestätigte. „Ist jemand verletzt? Was ist mit Teyla? Wo ist sie?“

„Sheppard und McKay stehen unter Drogen und sind zusammen eingesperrt. Teyla ist im Dorf. Versucht zu verhandeln. Aber es ist sinnlos. Wir wurden von den Dorfbewohnern getäuscht.“

Elizabeths Gedanken überschlugen sich. Das Dorf, in dem sie das ZPM vermuteten, galt als einfach, fast primitiv. „Eine friedliebende, harmlose kleine Truppe, sehr religiös“, so hatte Teylas Kontakt, der M8H-435 vor Jahren besucht hatte, die Bewohner des Dorfes beschrieben. Allerdings war nicht klar, vor wie vielen Jahren genau. Aber selbst wenn es schon Jahrzehnte her war - es war wohl kaum anzunehmen, dass die Palatianer inzwischen über Technologie verfügten, die mit der von Atlantis vergleichbar war.

Elizabeth atmete tief durch. Vielleicht konnten sie durch Verhandlungen ja dieselben Ergebnisse erzielen, wie durch einen überfallartigen Angriff und sich den Weg zu dem ZPM offen halten, das dieses Volk möglicherweise besaß.

„Ronon, teilt Teyla Ihre Einschätzung der Lage? Ich würde gerne mehr erfahren, bevor ich einen Trupp schwer bewaffneter Marines auf ein …“

„Elizabeth“, fiel Ronon ihr ins Wort und die ganz untypische Verzweiflung in seiner Stimme ließ etwas in Elizabeths Brust kalt und eng werden. „Wenn Sie Sheppard und McKay lebend wieder sehen wollen, dann schicken Sie sofort Verstärkung.“

~ooOoo~



Sheppard rührte sich nicht.

„John?“, drängte Rodney nervös. „Alles in Ordnung? Ich meine – relativ gesehen.“

„Ja“, murmelte John. „Nur etwas schwindlig.“

Schwindlig? Im Sitzen? Das war alles andere als in Ordnung. Das war … oh, nein! „Klapp’ mir jetzt bloß nicht zusammen“, platze Rodney heraus. Schwindel? Ein Herzinfarkt etwa? Wurde einem bei einem Herzinfarkt schwindlig? Oder … nein … ein Kreislaufkollaps! Übelkeit, Schwindel, unregelmäßiger Puls … Puls!

Hektisch tastete Rodney über Sheppards Schultern zu dessen Hals, hielt mit einer Hand Johns Kiefer ruhig, während er mit der anderen den Puls suchte. Sheppard hasste jegliches Aufhebens um seine Gesundheit, aber der Mann würde jetzt gefälligst stillhalten, damit …

Da – er hatte ihn! Vielleicht ein bisschen zu schnell, aber ansonsten ein kräftiges und regelmäßiges Pochen unter Rodneys Fingerspitzen. Gott sei Dank! Wenigstens etwas. Sheppard würde wohl doch nicht einfach zusammenklappen. Etwas schwindlig, nichts weiter. John war …

John war ganz still unter Rodneys Berührung. Vollkommen reglos. Kein leicht gereizter Versuch Rodneys Hände wegzuschubsen, kein Wegdrehen des Kopfes, kein unwirsches „Lass das, McKay“. Sheppard saß einfach da und ließ zu, dass Rodney sein Gesicht zwischen den Händen hielt.

Das war völlig untypisch für Sheppard.

Nervosität kroch in Rodney hoch. „John?“, wisperte er.

Sheppard seufzte leise auf und bewegte den Kopf etwas, lehnte seine kratzige Wange für einen Moment in Rodneys Berührung, als suchte er … mehr davon, mehr Kontakt.

Großer Gott ...

Unwillkürlich hielt Rodney den Atem an, wünschte, auch die Zeit anhalten zu können, um diesen fragilen Augenblick auszudehnen. Er ließ Johns Gesicht vor seinem inneren Auge auftauchen, eine sorgfältig gehütete Erinnerung: Die Lider geschlossen, die geschwungenen Lippen leicht geöffnet. Entspannter, verletzlicher als John sich je freiwillig zeigte.

Sheppard, der sich etwas geben ließ, das er brauchte.

Sheppards Hände lagen noch immer auf Rodneys Schultern, ein lebendiges Gewicht. Er spürte plötzlich, wie Johns Daumen behutsam begannen, seinen Halsansatz zu streicheln. Warme, kleine Kreise, elektrisierend und beruhigend zugleich.

Und womöglich genauso wenig echt wie das Wasser und die Kälte des Ozeans aber viel zerstörerischer für Rodneys inneres Gleichgewicht. Egal. Es kümmerte ihn nicht. Er schloss die Augen in der Dunkelheit und ließ es einfach zu.

Schließlich sagte Sheppard leise und unendlich erschöpft: „Verflucht, ich hasse das. Ich …“ Er atmete ein paar Mal hörbar ein und aus. Seine Finger hatten das einlullende Streicheln eingestellt und Rodney vermisste es bereits. „Ich hätte nie gedacht, dass ich das mal sagen würde, während ich auf einem fremden Planeten in einer Zelle stecke, aber ich bin verdammt froh, dass ich meine P-90 nicht hier habe.“

Natürlich, für Sheppard war „Wir lassen niemanden zurück!“ das Lebensmotto schlechthin. Gott, Sheppard würde einen Trupp Wraith mit bloßen Händen angreifen, um einen seiner Leute zu verteidigen. Jetzt selbst eine unberechenbare Gefahr darzustellen, musste ihn innerlich auffressen - und das durfte einfach nicht sein.

Spontan tastete Rodney nach Sheppards Oberarmen und drückte sie in einer hoffentlich tröstlichen Geste.

Sie würden das hier durchstehen.

„Hör zu Sheppard. Hör mir gut zu. Wir überstehen das hier. Wir … wir müssen beieinander bleiben, aufeinander aufpassen. Und wach bleiben. Ich muss wach bleiben. Aber falls … falls ich doch einschlafe – bleib bei mir, ja? Kein Alleingang, egal was du hörst. Bitte! Versprich mir das. Bleib einfach hier und … setz dich hin und … und tu gar nichts … und … und …“ Er klappte den Mund wieder zu. Nervöses Plappern half ihnen jetzt nicht wirklich.

Ihrer beider rascher Atem war für ein paar lange Sekunden das einzige Geräusch in der Dunkelheit. Dann sagte Sheppard gepresst, mit einer Stimme, die klang, als gehorche sie ihm nicht mehr ganz: „Rede … rede weiter. Bitte.“

„Was? Warum soll ich …?“

Sheppard schluckte hörbar. „Rodney, ich … ich habe keine Ahnung was hier wirklich passiert, okay? Der Wraith - ich höre ihn und ich höre dich und … ich weiß nicht … ich weiß die meiste Zeit nicht, was … echt ist. Außer …“ Er schluckte erneut hart und der nächste Satz wirkte fast wie ein Geständnis: „Außer, wenn du mit mir redest.“

Reden? Sheppard wollte, dass er weiterredete? Ausgerechnet jetzt, da er kaum geradeaus denken, geschweige denn sinnvolle Sätze formulieren konnte. Was für eine Ironie. Okay, denk nach! Sheppard braucht nur Ablenkung, keinen Rhetorikkurs. Ablenkung! „Hey!“ Die Munterkeit in Rodneys Stimme war so echt wie Falschgeld. „Ich hätte nie gedacht, dass du mich mal bitten würdest, mehr zu reden.“

Von Sheppard kam ein zittriges, aber ehrliches Lachen - ein angenehmes Geräusch in der Finsternis und Rodney spürte, wie John seine Schultern drückte.

Plötzlich wurde es Rodneys bewusst, wie nah sie beieinander saßen und für einen verräterischen Moment war er versucht, aus ihrer unbeholfenen Beinahe-Umarmung mehr zu machen.

Er räusperte sich. Reden - er sollte reden. Natürlich. Kein Problem. Reden. Darin war er gut.

„Also, wir sind uns zumindest bewusst, dass … dass hier nicht alles mit rechten Dingen zugeht und ...“ Sheppards Schultern hoben und senkten sich unter Rodneys Griff. Er fühlte den Mann atmen. „und ... wie auch immer, jedenfalls - wie du schon so treffend bemerkt hast – wir sind unbewaffnet.“ Die Wärme von Sheppards Körper, überall dort, wo sie sich berührten, Hände, Arme, Schultern, ein Bein, das sich gegen seines presste. So nah. „Ähm, ja ... keine P 90, keine Neun Millimeter. Nicht mal ein Messer. Was … was tatsächlich irgendwie beruhigend ist und ...“

Weiterreden, komm schon, reiß dich zusammen.

Er blinzelte. „Und … und ja, nicht mal ein Messer. Beruhigend. Wirklich. Ich meine, du bist nicht Ronon – also auch kein Messer. Im Haar, meine ich. Oder andere Waffen.“ Sheppards Schultern zuckten kurz unter seinen Händen – ein lautloses Lachen. „Ich … ich nehme zumindest nicht an, dass du ein Messer in deinen Haaren verstecken kannst. Oder? Gut, gut, dumme Frage, vermutlich wäre es möglich, bei den Haaren, aber … aber du hast nicht, oder?“ Oh Gott, weiterreden, um Sheppard halbwegs bei klarem Verstand zu halten, war eine Sache, aber musste er ausgerechnet seine offensichtliche Besessenheit mit Sheppards Haar ausplaudern?

Rodney spürte, wie sich Sheppards Linke in den Stoff seines T-Shirts grub, eine besitzergreifende Geste, die ein Kribbeln durch seinen Körper sandte. „Nein. Nein, kein Messer. Hier …“ Das raue Flüstern verursachte Rodney eine Gänsehaut. Johns andere Hand glitt Rodneys Arm hinunter, umspannte seine Finger und führte sie in … in Sheppards Haar. Rodney hielt den Atem an, als er das Kitzeln in seiner Handfläche fühlte. „Siehst du? Kein Messer“, wisperte John heiser, mit einem unterdrückten, verlegenen Auflachen. Rodney ließ den angehaltenen Atem entweichen und vergrub seine Finger in den weichen Strähnen.

„Ich … okay, okay“, presste er hervor. Ein Wunder, dass seine Stimme ihm noch gehorchte. Oh Gott, das hier gehörte ganz eindeutig in die Kategorie „Dinge, von denen wir so tun werden, als wären sie nie geschehen“. Aber egal, völlig egal. John klammerte sich an ihn, wie ein Ertrinkender an die Rettungsleine. Was tatsächlich irgendwie zutraf. Diese Berührung, die prickelnde Nähe, Haut, Hitze - notwendige Anker, die sie in einer intimen Realität hielten, anstatt sie in einen neuen Albtraum abgleiten zu lassen. Sie beide.

Das seidige Gleiten der Strähnen zwischen seinen Fingern war unerwartet erregend, eine willkommene Ablenkung von dem Brennen und Pochen in seinem Körper und dem Gluckern von alles überflutendem Wasser, das in einem Winkel seines Geistes lauerte.

Johns verkrampfter Griff lockerte sich. Rodney spürte, wie Johns Hand in seinen Nacken glitt und Johns Stirn auf seine Schulter sank, wie eine wortlose Bitte um mehr.

Gott, er wollte … er durfte nicht …

Rodney zwang seine Hand zu behutsameren, beruhigenderen Bewegungen in Johns Haar.

John drehte den Kopf etwas und sein heißer, feuchter Atem traf unvermittelt Rodneys Hals. Verführerisch genug, um die Augen zu schließen und sich einfach fallen zu lassen. Mühsam riss er die Augen wieder auf, als er zu driften begann. Nein! Er musste wach bleiben, wachsam.

Hier ging es schließlich darum, John abzulenken, von Wraith, die er töten wollte und die nicht existierten und … Ablenkung, nichts weiter.

John presste sein Gesicht in Rodneys Halsbeuge und Rodney verschluckte ein Aufkeuchen. Das hier würde ihn zweifellos wieder in diesen verdammten Kreislauf aus Hoffnung, Zweifel und letztendlich Enttäuschung stürzen.

Es war verrückt, verrückt und gefährlich, und er gab viel zu viel von sich selbst preis, viel mehr als er Sheppard je hatte sehen lassen wollen.

Sheppard hob den Kopf und rückte nach einem tiefen Atemholen mit einem kleinen, bedauernden Seufzen etwas von Rodney ab. Rodney zog seine Hand zurück als hätte er sich verbrannt.

Okay, okay, das war wohl das Signal, dass Sheppard sich wieder im Griff hatte.

„Deine Haare sind trocken“, bemerkte Rodney hastig, nur um irgendetwas zu sagen. „Ich dachte sie wären nass. Sie … sie hatten sich zuerst nass angefühlt.“ Oh ja, sehr eloquent. Und warum redete er nicht gleich übers Wetter?

„Rodney.“ Johns Stimme war nur ein Hauch und jetzt vergrub er seine Hand in Rodneys Haar, ein wenig zu fest, aber selbst das leichte Ziepen an der Kopfhaut fühlte sich fantastisch an. Unwillkürlich ließ Rodney den Kopf etwas in den Nacken fallen und im nächsten Moment spürte er Johns Lippen an seinem Hals. Rodney unterdrückte ein Aufstöhnen. Johns Mund presste sich auf die empfindliche Stelle direkt unter seinem Ohr, von der Sheppard unmöglich wissen konnte, die Stelle, an der er jetzt leicht knabberte. Ein Strom von Hitze schoss durch Rodneys Körper, ließ seine Knie zu Pudding werden und beschleunigte seinen Puls. Sein Penis zuckte träge und Rodney verfluchte die bleierne Müdigkeit, die seine Erregung in Schach hielt.

John hob den Kopf und warmer Atem strich jetzt über Rodneys Wange. „Nein, nicht nass“, wisperte John. „Kein Wasser. Kein … kein Wraith. Nur wir.“

„Ja. Ja genau“, krächzte Rodney und gönnte sich einen Moment Augenschließen. John brauchte das jetzt offensichtlich. Brauchte ihn. Und das hier, das war vermutlich alles, was er in dieser Hinsicht je von John bekommen würde und Gott, darauf würde er nicht verzichten, denn das zu tun wäre nicht nur verrückt sondern auch unsagbar dumm. Zur Hölle mit Enttäuschungen. Wenn er mit Enttäuschungen leben musste, dann sollte es sich lohnen. So nahm er wenigstens eine angenehme Erinnerung mit.

Er hob seine Hand erneut, tastete mit erzwungener Behutsamkeit nach Sheppards Gesicht und berührte seine Wange, fühlte warme Haut und das Kratzen von Bartstoppeln.

John erstarrte plötzlich unter seinen Fingern. Rodney musste ihn nicht sehen, um zu wissen, dass er wieder angespannt in die Finsternis lauschte.

„Hey“, murmelte er. „Niemand außer uns ist hier, John.“

Er spürte ein zögerndes Nicken.

„Drifte mir nicht wieder ins Lala-Land ab, ja?“

John gab einen unterdrückten Laut von sich, wie ein gebrochenes Lachen, das ihm in der Kehle stecken blieb. „Ich höre ihn immer noch“, gestand er. „Aber du hast gesagt, wir sind alleine.“ Johns Wangenmuskel zuckte unter Rodneys Hand. „Und ich … ich vertrau dir …“ John verstummte. Sein Atem kam in raschen, keuchenden Stößen.

Das Gewicht dieses Geständnisses ließ Rodneys Brust eng werden. Er vertraut mir. Zärtlich ließ er seine Fingerspitzen über Johns Gesicht gleiten und fuhr die Kontur eines Ohres nach. John durchlief ein leichter Schauder als Rodney sein Haar berührte, es im Nacken sanft gegen den Strich kämmte.

„Ist das …“, wisperte Rodney. „Ist das okay?“

„Ja“, murmelte John, ganz nah, so nah an Rodneys Mund, dass er die Vibration der Worte auf seiner Haut spürte. Vorsichtig, zögernd streiften Johns Lippen seine. Weniger ein Kuss, als eine tastende Frage.

Rodney öffnete seinen Mund, doch anstelle von „Ja!“ und „Endlich!“ brachte er nur einen unartikulierten Laut, halb Seufzen, halb Stöhnen zustande. Unbeholfen griff er mit der anderen Hand ebenfalls nach John, erwischte dessen T-Shirt und zog ihn an sich, so heftig, dass er ihn etwas aus dem Gleichgewicht brachte und John mit einem kehligen Aufkeuchen gegen ihn taumelte. Hungrig, mit einer Dringlichkeit, die ihn selbst überraschte, ließ Rodney seine Finger über Johns Rücken wandern, über Schultern und Hals, nahm seinen Kopf zwischen die Hände und küsste die Verzweiflung, die Finsternis von seinem Mund, küsste ihn, bis sie beide leise stöhnten, Johns Körper gegen seinen zu schmelzen schien, eine Hand warm auf Rodneys Rücken, die andere fordernd in seinem Nacken.

Die Zelle, die Dunkelheit, das Pochen seines gepeinigten Körpers versank in Bedeutungslosigkeit. Was zählte, waren Johns Hände auf seiner Haut, das Spiel harter Muskeln unter seinen Fingern, der faszinierende Kontrast zwischen weichen Lippen und kratzenden Bartstoppeln. Johns Geschmack – salzig mit einem Hauch Süße, warm, vertraut, als wäre es kein erster Kuss, sondern ein Wiedererkennen. Sein Geruch, in dem Rodney sich verlieren konnte – unverkennbar maskulin, eine scharfe Bitterkeit, dunkel, erdig und absolut berauschend.

Als John den Kuss mit einem leichten, neckenden Biss in Rodneys Unterlippe brach, gab Rodney einen kleinen Protestlaut von sich. „Was? Nicht …“, murmelte er benommen, trunken.

„Schhh.“ John lächelte ihn an und großer Gott, er sah das Lächeln, obwohl er wusste, dass es unmöglich war, denn sie steckten in dieser verdammten Zelle, in völliger Finsternis. Es war unmöglich, dass … Träumte er? Er durfte nicht …

Rodney blinzelte angestrengt in die undurchdringliche Schwärze. Hatte er die Augen noch offen? Oder …?

Das Mondlicht war traumgleich weich und sanft auf Johns Gesicht, sein Lächeln echt, offen und voller Zuneigung. Er flüsterte dicht an Rodneys Ohr, seine Stimme rau: „Komm. Ich will …“ und dirigierte ihn ein paar Schritte durch den Raum zum Bett.

Rodney ließ sich auf die viel zu harte Matratze fallen, zog John mit sich, neben sich, hielt ihn und wurde gehalten, spürte lebendige Haut unter seinen Fingern und berauschende Küsse auf seinem Hals, seinem Kiefer, seinen Lippen.

Von irgendwoher hörte er noch Johns heiseres Wispern: „Es ist okay, Rodney, er kriegt dich nicht.“

~ooOoo~



„Sag es!“, zischte Ronon dicht an Pajunis Ohr. „Du weißt, was sonst passiert.“ Der Lauf der fremdartigen Waffe bohrte sich schmerzhaft in seinen Rücken. Hinter Ronon befanden sich noch Teyla und acht Soldaten der Fremden sowie ihr Heiler. Alle schwer bewaffnet.

Die wenigen Dorfbewohner, die bei der Ankunft der gedrungenen, plump wirkenden Fluggeräte aus ihren Häusern geeilt waren, hatten keine Chance gehabt. In Sekunden nur waren sie zu Boden gegangen - in zuckenden, bläulichen Blitzen, welche die Waffen der Fremden ausspien so wie zornige Wüstenschlangen ihr Gift.

Pajuni schluckte hart, wandte sich an Mikor und Ralin, die zu beiden Seiten der Tür zum Ort des Verborgenen Aufstellung genommen hatten und ihre Speere kampfbereit umklammert hielten. „Öffnet die Tür“, forderte er schlicht. Er verzichtete auf das Rezitieren der rituellen Worte, mit denen die Wachsoldaten aufgefordert wurden, den Weg zum Ort des Verborgenen freizugeben und die Reihenfolge der heiligen Symbole zu enthüllen, mit denen sie die Tür verriegelt hatten.

„Die Zeit ist noch nicht um, Zweiter“, erwiderte Ralin. Sein Blick huschte gehetzt von Pajuni zu den bewaffneten Fremden. „Du weißt, dass wir Taramus’ Gericht nicht unterbrechen dürfen.“

„Und wir beugen uns nur dem Befehl des Ehrwürdigen Lasin“, sagte Mikor standhaft. Pajuni bewunderte ihn für den Klang seiner Stimme - fest, entschlossen – trotz des Flackerns der Furcht in seinen Augen.

„Lasin ist tot. Er war der erste, den wir erschossen haben“, erwiderte Teyla kalt und derart überzeugend, dass Pajuni es beinahe selbst geglaubt hätte, obwohl er wusste, dass der Ehrwürdige nach wie vor fest schlief. Teylas Bemühungen, ihn zu aufzuwecken, waren erfolglos geblieben. Ganz wie Pajuni erwartet hatte. „Ebenso eure Kameraden im Wachraum. Wollt ihr die nächsten sein?“

Ralin sog scharf die Luft ein. „Ihr habt den Ehrwürdigen …?“

„Taramus wird euch für diesen Frevel strafen“, zischte Mikor.

„Das bezweifle ich.“ Teyla legte ihre Waffe auf ihn an. „Und selbst wenn es so sein sollte, werdet ihr es nicht mehr erleben. Es sei denn, ihr tut, wie euer Zweiter euch angewiesen hat.

Die Soldaten der Fremden taten es Teyla gleich und zielten auf die beiden Wachsoldaten, die dennoch nicht zur Seite wichen. Pajuni konnte nur erahnen, welche Beherrschung es ihnen abverlangt hatte, so, wie das Gesetz es forderte, vor der Zelle auszuharren. Denn, die fremden Krieger waren zwar leise und schnell gewesen, als sie mit Pajuni als „Geisel“ den Wachraum überfallen hatten – aber nicht völlig lautlos.

„Bei Taramus“, wisperte Pajuni, die Furcht in seiner Stimme nur zum Teil gespielt. Das Bild der zwölf Wachsoldaten – die besten Kämpfer des Dorfes – die innerhalb eines Wimpernschlages in einem bläulichen Blitzgewitter wehrlos in der Wachstation zusammengebrochen waren, stand ihm deutlich vor Augen. Er hatte noch nie derartige Waffen gesehen. Und trotz Teylas Versicherung, dass diese Blitze nicht töteten, war das Gefühl der Hilflosigkeit, des Ausgeliefertseins angesichts dieses raschen und erfolgreichen Überfalls überwältigend. „Sie scherzen nicht. Bitte, sie verschonen uns und eure Familien, wenn ihr …“

„Tila! Salot!“, flüsterte Ralin entsetzt, wurde blass und ließ den Speer unwillkürlich etwas sinken. Mikor presste grimmig die Lippen zusammen und forderte: „Wenn ihr ihnen auch nur ein Haar krümmt …“

„Es geht ihnen gut, ihnen allen“, versicherte Pajuni.

„Noch“, fiel Ronon ihm scharf ins Wort.

„Wir haben Befehl, jeden zu töten, wenn ihr nicht kooperiert und die Gefangenen augenblicklich frei lasst“, schaltete sich der Mann, den sie Major nannten, ein. „Jetzt!“, bellte er und gab einen Warnschuss auf die Wand dicht neben Ralins Kopf ab. Ein bläulicher Blitz zuckte laut knisternd über die Steine. Beckett, der Heiler, zuckte zusammen und flüsterte: „Verdammt, aber auch.“ Sekunden später fielen drei fingerlange Muus-Käfer aus einem kleinen Spalt in den Fugen zu Boden und blieben reglos auf dem Rücken liegen, die langen schwarzen Beine wie in Todesstarre gekrümmt.

Ralin starrte mit weit aufgerissenen Augen auf die Käfer und ließ seinen Speer fallen. Nach einem raschen Blickwechsel mit Mikor, der seine Waffe ebenfalls zu Boden legte, sagte er leise: „Ich nenne euch die Reihenfolge der heiligen Symbole, aber ich werde die Tür nicht selbst öffnen.“

Major nickte knapp. Einer seiner Männer sammelte Mikors und Ralins Waffen ein, während zwei andere die beiden Wächter von der Tür wegzerrten. Major begutachtete den etwa handtellergroßen, drehbaren Knauf, um den die acht heiligen Symbole kreisförmig angeordnet waren. „Sieht fast aus wie ein Mini-DHD mit stilisierten Tiersymbolen“, murmelte er. „Also“, sagte er lauter an Ralin gewandt. „Ich warte.“

Ralin schluckte hörbar. „Hund, Fisch, Schlange“, flüsterte er.

„Käfer, Vogel, Fisch“, spie Mikor nach einem Moment des Zögerns aus.

Major drehte den Knauf in die angegebenen Positionen und das Schloss öffnete sich mit einem satten Klicken.

Pajuni atmete auf.

Der hastig entworfene Plan, der McKay und Sheppard ohne Blutvergießen befreien und Pajuni vor einer Anklage auf Hochverrat bewahren sollte, war geglückt.

Zwei Soldaten der Fremden trieben Mikor und Ralin in Richtung der Wachstube. Der Druck der Waffe zwischen Pajunis Schulterblättern verschwand. Er war jetzt allein mit den Fremden, sie mussten niemanden mehr täuschen.

„Hier“, sagte Beckett und drückte Pajuni eine Art Maske aus einem seltsamen, dünnen, feinen Stoff in die Hand. „Nach allem, was Ronon erzählt hat, sollte wohl niemand von uns etwas von diesem Zeug einatmen – auch Sie nicht, mein Junge.“ Die anderen hatten sich diese Masken bereits über Mund und Nase gezogen und Beckett half Pajuni, seine anzulegen.

Ronon zog Major von der Tür zurück und sagte bestimmt: „Ich und Teyla machen das. Besser, wenn er uns zuerst sieht.“

Major warf ihm einen irritierten Blick zu – offensichtlich war es nicht üblich, dass Ronon ihm Befehle erteilte – doch etwas in Ronons Gesicht schien Major zu überzeugen. „In Ordnung.“ Er nickte knapp und ließ Ronon und Teyla den Vortritt.

Ronon lehnte sich mit einer Schulter gegen die schwere Tür, die sich langsam, mit unmelodischem Quietschen öffnete.

~ooOoo~


Teil 6

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