sinaidas_fancorner: (Atlantis)
[personal profile] sinaidas_fancorner
Teil 1

„Gitterstäbe? Rodney horchte auf. Er erinnerte sich lediglich an den Anblick massiver Steinwände, bevor man sie in völliger Dunkelheit zurückgelassen hatte. „Hm, ich habe keine ..."

Der stechende Schmerz hinter seinen Augäpfeln kam so unvermittelt, dass es ihm fast den Magen umdrehte. Er stöhnte auf, presste die Lider zusammen und zwang sich tief durchzuatmen, beide Handflächen gegen die feuchten Steine gepresst. Plötzlich lief ihm eiskaltes, nach Tang und Ozean riechendes Wasser über Finger und Unterarme, durchnässte sein T-Shirt, seine Hose, tropfte auf seine Stiefel. Mit einem unterdrückten Aufschrei stolperte er weg von der Wand, zurück in den trockenen Bereich der Zelle.

Plätschern und Gluckern verfolgte ihn, Wasser, überall Wasser, es stieg, drang in seine Stiefel, eisig und lähmend. Panisch tastete er sich vorwärts, spürte schließlich das kalte, unnachgiebige Metall der Tür unter seinen Fingern.

Die Tür.

Keine Chance sie von innen zu öffnen. Keine. Im Dunkeln eingeschlossen, kein Ausweg, undurchdringliche Schwärze und diesmal konnte er nichts tun, überhaupt nichts und plötzlich war die eben noch warme aber frische Luft eiskalt, verbraucht, stickig, zu viel CO2, zu wenig Sauerstoff, zäh wie Sirup und schwerer als der Druck von tausenden Kubikmetern Ozean über ihm. Er roch den Tang und schmeckte das Salz, betäubende Kälte kroch seine Beine hinauf, er hörte Sprudeln und Rauschen und er brauchte Luft, Luft, Luft …

„McKay?"

Rodney tastete mit bebenden Fingern nach seinem Headset um zu antworten und griff ins Leere. „Oh verdammt!" Wie konnte er bloß sein Headset verlieren? Er würde es nie wieder finden, nicht in völliger Dunkelheit, in all dem Wasser. Atlantis konnte ihn nicht erreichen, sollte es ihnen gelingen seine Position zu bestimmen, sollte überhaupt jemand kommen um …

„McKay? Antworte mir, verflucht!"

Die Worte ertönten irgendwo hinter ihm, nicht über Funk. Schwere, schlurfende Schritte kamen immer näher. Seine Nackenhaare richteten sich auf. Das konnte nicht sein. Er war allein in dem Jumper. Allein, bis auf ... Griffin ... Griffins Leiche im überfluteten Cockpit. Es war unmöglich, dass er überlebt hatte. Aber wer, oder was ...? Etwas stieß ihn plötzlich hart in den Rücken, presste seine Brust sekundenlang gegen das Schott. Hände, kalt, nass und glitschig wie ein fleischgewordener Albtraum, glitten über seine Schultern, landeten tastend auf seinem Arm, in seinem Genick.

"Nein!" Panisch versuchte er sich aufzubäumen, die Berührung abzuschütteln, doch Griffin war unerbittlich, ließ ihn nicht los.

"McKay! Lass das! Beruhige dich, um Himmels willen!"

Es dauerte ein paar Sekunden bis er Sheppards Stimme erkannte, direkt neben ihm und nicht über Funk, Sheppards Hand, warm – lebendig - in seinem Nacken, dann auf seiner Schulter.

„Sheppard?"

„Ja. Wer sonst?" Es klang besorgt, atemlos.

Rodney holte zitternd Luft. Er war tatsächlich nicht alleine. Diesmal nicht. Sheppard war da. Ihm war plötzlich schwindlig vor Erleichterung und er lachte nervös auf.

„Ich … ich habe mein Headset verloren, irgendwo hier im Wasser. Dumm, ich weiß, ich habe keine Ahnung wie …"

„Rodney, Teyla und Ronon haben unsere Headsets." Sheppard war jetzt ruhig, sehr ruhig, der Griff seiner Finger fest und sicher.

Sheppards Worte ergaben keinen Sinn und Rodney ließ für einen Moment die Stirn auf seinen Handrücken sinken, das Metall der Tür bereits warm unter seinen Fingern, feucht von seinem Schweiß.

Die Tür … die Zelle … Sheppard … Teyla und Ronon ... M8H-435 … Das Rauschen und Plätschern um ihn herum verstummte schlagartig.

„Ich weiß." Rodney atmete tief durch. „Ich weiß, ich weiß. Es ist nur … ich … einen Moment lang dachte ich, ich wäre …" Er schluckte und richtete sich auf. Sheppards Hand glitt von seiner Schulter. Einer Eingebung folgend tastete Rodney über seine Arme und sein T-Shirt.

Trocken.

„Verdammt", flüsterte er und versuchte, nicht in Panik zu geraten.

„Komm schon, McKay, was ist los?" Die Schärfe in Sheppards Tonfall war teils Besorgnis, teils etwas anderes, das Rodney nicht bestimmen konnte.

Nervös erwiderte er: „Ich … ähm … ich bin nicht nass, oder? Ich meine, als du mir eben die Hand auf die Schulter gelegt hattest, also … hattest du da den Eindruck, dass ich nass bin?"

„Was?"

„Colonel, beantworte einfach meine Frage."

„Du schwitzt etwas, es ist ziemlich warm hier. Meinst du das?"

„Nein. Nein, ich meinte „nass" wie in „Ich komme gerade aus der Dusche"-nass."

„Nein. Rodney, was ist …"

„Nichts, absolut nichts." Er konnte das leicht hysterische Auflachen nicht ganz unterdrücken und rieb sich die Augen. „Außer, dass ich vermutlich gerade den Verstand verliere oder aber sehr realistische Halluzinationen habe, was wohl aufs Gleiche hinausläuft."

„Halluzinationen? Welche?"

„Oh, Wasser überall, das schneller steigt als mir lieb ist. Die Variante 'Langsamer grausamer, kalter und nasser Tod', dem man stundenlang ins Auge sieht, bevor er einen ereilt. Metaphorisch gesprochen versteht sich, denn hier ist es ja so stockfinster, dass man nicht mal den eigenen Tod sehen kann, auch wenn er direkt vor einem steht." Bei den letzten Worten überschlug sich seine Stimme und er war sich bewusst, dass er fast schrie. Verdammt, es nützte niemandem, wenn er jetzt wirklich überschnappte.

"McKay, dreh' jetzt nicht durch." Sheppards Körperwärme war eine beruhigende Präsenz direkt vor ihm, Sheppards Ton immer noch so ruhig als stünden sie sich auf einem der lichtdurchfluteten Korridore Atlantis' gegenüber, aber mit genau dem Maß an Schärfe, das Rodney jetzt brauchte, um sich wieder zu fangen. "Wir sind ausnahmsweise mal nicht in einer „Auf-Leben-und-Tod“-Situation und niemand erwartet von dir, dass du etwas anderes tust, als abzuwarten und deine Zeit hier abzusitzen, also beruhig dich."

Sheppard hatte Recht, natürlich. Auch wenn es sich eben so angefühlt hatte wie ein typisches „Auf-Leben-und-Tod“-Szenario - und Rodney hatte seit seiner Ankunft in der Pegasus Galaxie schon genug davon erlebt, um eines zu erkennen, wenn er mitten drinsteckte. "Jajaja ... beruhigen ... gut, gut. Es ist alles nur in meinem Kopf." Er verzog das Gesicht. "Wirklich, sehr beruhigend."

„Eine Art Flashback? Der Jumper-Unfall?", fragte Sheppard nach einem Moment. „Hast du das schon mal erlebt?"

„Ja, vermutlich und nein, noch nie." Rodney lehnte sich gegen die Tür. „Eine Reaktion auf die Dunkelheit vielleicht. Verbunden mit Klaustrophobie. Hatte ich meine Klaustrophobie erwähnt? Kleine, geschlossene Räume, deren Wände sich langsam auf mich zu bewegen." Er presste die Handballen gegen die schmerzenden Schläfen. „Wie in dieser Szene in „Star Wars", nur ohne Prinzessin, was wirklich eine Schande ist, denn da ich hier schon mit Han Solo für Arme festsitze, wäre es nur fair, wenigstens eine Prinzessin zu haben."

„Okay", erwiderte Sheppard gedehnt. „Es geht dir besser."

„Hm." Er fühlte sich tatsächlich besser, wieder mehr im Gleichgewicht. „Bis auf die Kopfschmerzen."

"Ja. Man weiß genau, man sieht nichts und kann trotzdem nicht aufhören, es zu versuchen. Überanstrengt die Augen." Sheppard berührte ihn plötzlich an der Wange, Fingerspitzen streiften flüchtig seine halb geöffneten Lippen, erstarrten und verschwanden sofort. Der Colonel schluckte hörbar. "'Tschuldige."

"Nicht nötig ... ich meine, es ist okay, nichts ... nichts passiert", stotterte Rodney, mit einem Mal weich in den Knien.

Einen Augenblick später landete Sheppards Hand auf Rodneys Schulter und er räusperte sich. "Komm, ich habe da hinten was entdeckt. Decken oder Fell. Wir sollten uns etwas ausruhen."

Fantastisch. Sheppard, der ihn ständig anfasste - absichtlich oder nicht - ihn fast streichelte, jetzt mit ihm auf Fellen kuscheln wollte, nur um sich dann später, bei irgendeinem heroischen Versuch die Galaxie zu retten, derart den Kopf anzuschlagen, dass er praktischerweise die letzten Tage vergessen würde. Oder wenigstens so überzeugend behauptete, alles vergessen zu haben, dass Rodney eher an seinem eigenen, normalerweise ausgezeichnet funktionierenden Verstand zweifelte, als an Sheppards Worten. Rodney atmete tief durch. Sobald sie hier raus waren, brauchte er sofort eine Extra-Sitzung bei Heightmeyer. „Fell? Tot, hoffe ich."

„Werden wir gleich sehen. Komm schon, einfach mir nach und an dieser Wand entlang, bis du drüber fällst."

„Oder es mich beißt", murmelte Rodney und legte die Rechte auf die gemauerten Steine. Mit der Linken griff er nach Sheppard. "Ich hoffe es macht dir nichts aus, aber … ähm … es ist dunkel." Seine Hand streifte Sheppards, tasteten sich hoch zu seiner Schulter. Rodney spürte harte, verkrampfte Muskeln unter dem klammen, schweißfeuchten Stoff des T-Shirts, merkte wie angespannt Sheppard tatsächlich war, ungeachtet des ruhigen Klangs seiner Stimme. Es war, als hätten all seine Instinkte auf Flucht geschaltet und Rodney fragte sich einen bangen, kalten Moment lang, ob es seine Berührung war, die das in Sheppard ausgelöst hatte. Doch bevor er seine Hand mit einer gemurmelten Entschuldigung wieder zurückziehen konnte, entspannte sich Sheppard etwas unter seinem Griff, legte seine Finger kurz auf Rodneys und drückte sie beruhigend.

„Dunkel? Tatsächlich?", Sheppard setzte sich in Bewegung, langsam, Schritt für Schritt.

„Hm. Ich ..."

„Psst!" Sheppard blieb so abrupt stehen, dass Rodney in ihn hineinlief. „Was war das?"

„Was? Was war was?"

Sheppard antwortete nicht, stand einen Moment stocksteif. Schließlich ließ er die Schultern etwas sinken und holte tief Atem. "Nichts."

„Nichts? Was heißt 'nichts'?"

"Ich hab' gedacht, ich hätte was gehört." Er zuckte die Schultern unter Rodneys Griff und ging weiter. "Ich hab' mich wohl geirrt."

"Was hast du gehört?"

"McKay, ich hab' doch gerade gesagt, dass ..."

"Du ... du fängst nicht etwa an ... Dinge zu hören, oder?"

"Dinge? Nein, McKay, bestimmt nicht." Der „Dieses Thema ist beendet“–Tonfall war nicht misszuverstehen und Rodney rollte die Augen. "Ja, was auch immer. Du ..."

Leises Rascheln vor ihm unterbrach ihn. Sheppard stolperte plötzlich und Rodney prallte gegen seinen Rücken. „Wir sind da", bemerkte Sheppard überflüssigerweise.

„Wie schön." Rodney ließ seine Hand wieder sinken.

Das Rascheln wurde lauter. „Hier liegt so etwas wie Stroh, scheint frisch zu sein und – richtig – Decken."

„Keine Ratten? Das ganze Szenario ist wie geschaffen für Ratten."

„Ah, nein." Sheppard schien auf fast schon perverse Art zufrieden. „Keine Ratten. Und wir können uns hier hinsetzen."

Natürlich, alles, was der Mann brauchte, war ein Platz zum Sitzen, bevorzugt noch mit der Möglichkeit die Füße hochzulegen, und seine Welt war in Ordnung.

„Das Ritz Carlton der unterirdischen Zellen, also", bemerkte Rodney sarkastisch. „Da geht es mir doch gleich viel besser." Was tatsächlich stimmte. "Wer braucht schon Licht, wenn er Stroh hat? Und sich hinsetzen kann."

„Ich wusste, du würdest das auch so sehen." Rodney konnte das Grinsen auf Sheppards Gesicht fast hören. "Den Eimer habe ich übrigens bei meinem Rundgang vorhin in die Ecke direkt gegenüber von dieser gestellt. Nur für den Fall, dass ..."

"Danke, ich hab's verstanden."

Die nächsten Minuten brachten sie damit zu, die Ecke der Zelle mit Stroh auszulegen und die Decken darüber auszubreiten. Aufseufzend ließ sich Rodney auf dem provisorischen Lager nieder, lehnte den Rücken gegen die eine, die rechte Schulter gegen die andere Wand und streckte die Beine aus.

"Endlich. Meine Füße bringen mich um." Es war sogar halbwegs bequem. Sein Kreuz würde allerdings in spätestens einer Stunde ganz anders darüber denken.

"Gemütlich?", fragte Sheppard mit leichter Ironie. Er war, nach dem unruhigen Scharren zu urteilen, noch damit beschäftigt die ideale Sitzposition zu finden. Stirnrunzelnd starrte Rodney ins Dunkle. Der Colonel war ungewöhnlich ... zappelig für jemanden der sonst stundenlang wie hingegossen in einem Stuhl hängen konnte, ohne auch nur mehr als eine Augenbraue zu bewegen. Sheppard schob pieksende Halme und grob gewebte Decken, aus denen an manchen Stellen drahtige Haare zu wachsen schienen, gegen Rodneys Bein, streifte seinen Arm, stützte sich kurz auf seinem Oberschenkel ab und rutschte schließlich so nah an ihn heran, dass sich ihre Körper von Knie bis Schulter berührten.

Rodney schluckte. Ihm war plötzlich sehr, sehr warm.

"Sekunde, ich muss nur ..." Stetes, rhythmisches Rascheln kam von Sheppards Position, als würde der Colonel suchend die Decke abtasten. Ohne Vorwarnung lehnte Sheppard sich plötzlich schwer gegen Rodney, presste ihn gegen die Wand. Sheppards Haar kitzelte ihn am Ohr, Sheppards Geruch - Shampoo, Aftershave, Schweiß - vertraut von unzähligen Stunden, die sie schon gezwungenermaßen auf engem Raum verbracht hatten, umgab ihn. Es war nicht wirklich unangenehm. Es war alles andere als unangenehm. Es war ... zu viel.

Unsanft schubste er Sheppard. "Hallo? Ich sitze hier, schon vergessen?"

"Ich hab' ihn!", verkündete Sheppard triumphierend im selben Moment. "Den Beutel mit unserem Proviant. Ich hatte mich draufgesetzt." Damit rückte der Colonel wieder etwas von ihm ab.

"Was? Heißt das, ich muss jetzt Energieriegel-Pulver schnupfen?", schnappte Rodney.

"Nein", erklärte Sheppard lakonisch. "Allerdings - wenn der Zucker dadurch direkt in deine Blutbahn wandert und sich deine Laune schneller verbessert, dann tu dir keinen Zwang an."

"Was? Ich bin nicht schlecht gelaunt. Jedenfalls nicht im herkömmlichen Sinn. Was ich meine ist, 'schlechte Laune' ist nicht der treffende Ausdruck für ... ich ... ich bin nur ... nervös. Die Dunkelheit macht mich nervös, diese Zelle ..." 'Du' fügte er in Gedanken hinzu.

"Ich weiß, Rodney", erwiderte Sheppard ruhig. "Hier. Iss was." Er tätschelte Rodneys Knie mit etwas Knisterndem. Ein Energieriegel. McKay griff danach und riss die Folie auf. Bei jeder Bewegung streifte er den Arm des Colonels, hatte aber auch keinen Platz, von ihm abzurücken. Dass Sheppard die Nähe nicht störte? Er war doch sonst nicht der Typ für Körperkontakt. Außer ... McKay verschluckte sich, hustete und merkte wie Sheppard ihm - wie aufs Stichwort - die Feldflasche reichte. Er nahm sie und ... ruhten Sheppards Finger nicht unnötig lange auf seinen?

Rasch verscheuchte Rodney den Gedanken, trank etwas, gab die Flasche zurück und lauschte darauf, wie Sheppard sie wieder verstaute. Dann streckte er die Beine aus und versuchte, es sich so bequem wie möglich zu machen. Die Dunkelheit war nicht ganz so bedrohlich mit der soliden Wand direkt an seiner rechten Schulter und Sheppard zu seiner Linken. Rodney merkte, dass er ruhiger wurde, schläfrig sogar.

Gähnend murmelte er: „Ich bin todmüde. Dabei ist es sicher erst früher Nachmittag. Oder?" Er hatte jegliches Zeitgefühl verloren.

„Hm", murmelte Sheppard. "Vielleicht sollten wir wirklich etwas schlafen, dann vergeht die Zeit schneller."

„Du kannst jetzt schlafen?"

„Keine Ahnung, ich bin nicht wirklich müde. Aber was sollen wir sonst tun? ‚Ich sehe was, was du nicht siehst' spielen?"

„Haha."

„Eben."

„Hm." Nach einem Moment des Schweigens, in dem die einzigen Geräusche Sheppards gleichmäßiger Atem, das leise Rascheln des Strohs unter ihnen und das stetige Tropftropftropf aus dem feuchteren Teil der Zelle waren, bemerkte Rodney: „Es ist nicht normal, dass ich so müde bin. Nicht um diese Zeit. Ich meine, ich arbeite oft Nächte durch, komme problemlos wochenlang mit weniger als fünf Stunden Schlaf pro Nacht aus und die letzte Zeit habe ich sogar ausnahmsweise mal mehr als das geschlafen. Also, warum kann ich jetzt kaum die Augen offen halten?"

Sheppard seufzte resigniert. „Weil es dunkel ist und du nichts zu tun hast? Weil du gerade von dem Adrenalin-High deines Flashbacks runterkommst?"

„Möglich. Es könnte natürlich ..."

"McKay, es ist egal. Du bist müde, also schlaf."

„Jajaja, aber …"

„Oder sei wenigstens still und lass mich schlafen."

„Ich dachte du bist nicht …"

„McKay!"

„Ja. Gut. Schlafen." Er schloss die Augen, zog die Knie an den Körper, schlang die Arme darum und versuchte, mit Kopf und Schulter an die Wand gelehnt eine halbwegs bequeme Position zu finden. Unwillkürlich begann er die Tropfen zu zählen, die mit monotoner Gleichmäßigkeit fielen.

… vierundzwanzig, fünfundzwanzig, sechsundzwanzig …

~ooOoo~


„Hier, probiert das. Das sind Ude-Trauben. Die Früchte des Busches, der hier überall wächst.“

Pajuni reichte den beiden Besuchern die Schale mit dem Obst. Ronon von Sateda und Teyla von Athos hatten es vorgezogen, ihr Abendessen im Freien unter dem Baldachin einzunehmen, anstatt in der Hütte, die ihnen zur Verfügung gestellt worden war. Am Ende dieses heißen Tages war das eine verständliche Entscheidung. Die Luft war jetzt angenehm warm, erfüllt vom Summen und Zirpen der Satomis und die untergehende Sonne tauchte den Marktplatz in weiches, rotgoldenes Licht. Ein paar Kinder spielten in einiger Entfernung Tis-Tas mit kleinen Steinen und Zweigen. Die neugierigen Blicke, die sie von Zeit zu Zeit den Besuchern zuwarfen und die Tatsache, dass ihre Eltern häufiger als gewöhnlich nach ihnen sahen, war der einzige Unterschied zu einem üblichen Abend um diese Zeit.

Der Ehrwürdige hatte sich bereits für die Nacht zurückgezogen. Das Tajil, das Pajuni heimlich in den Tee gegeben hatte, wirkte bei einem Mann seines Alters besonders schnell und stark. Lasin würde sicher nicht vor morgen Mittag erwachen und die ungewöhnliche Müdigkeit und die leichte Benommenheit hoffentlich auf das Fasten schieben, das er bereits seit drei Tagen einhielt.

Pajuni hatte beschlossen, den Fremden Gesellschaft zu leisten, auch wenn das nicht die Pflicht des Zweiten war. Aber er wollte den beiden das höchste Maß an Gastfreundschaft und Respekt erweisen.

Ronon warf gerade einen abschätzenden Blick auf die verschrumpelt aussehenden Früchte in der Schale, nahm eine, roch daran und legte sie dann an den Rand seines Tellers.

„Sie sind gut. Süß und … saftig, auch wenn sie nicht so aussehen“, erklärte Pajuni hastig.

„Ich bin sicher, dass sie sehr gut schmecken.“ Teyla lächelte verbindlich, wählte eine der Trauben und aß sie. „Oh, fantastisch, wirklich“, erklärte sie einen Moment später, nahm sich eine zweite Frucht und nickte ihrem Gefährten auffordernd zu.

Ronon schob sich seine Traube in den Mund, kaute, hob anerkennend die Augenbrauen und bemerkte dann: „Gut. Schmeckt wie Malosa-Birnen. War meine Lieblingsspeise als Kind.“ Er nahm sich noch eine Handvoll Trauben aus der Schale.

„Es tut mir leid, dass wir euch nicht mehr bieten können, als diese Früchte und etwas Brot, aber unsere Vorräte sind mager, so kurz vor der Regenzeit“, sagte Pajuni entschuldigend.

Teyla wandte sich ihm zu und erwiderte herzlich: „Wir sind sehr dankbar und schätzen es, dass ihr das Wenige, das ihr habt, mit uns teilt.“

„Das ist das Mindeste, was wir tun können“, rutschte es Pajuni heraus.

Teyla runzelte die Stirn. „Wie meinst du das, ehrwürdiger Zweiter?“, erkundigte sie sich. „Wir waren es, die euren Gott, wenn auch unwissentlich, beleidigt haben.“

„Ja. Ja, aber … der Frevel wird gerade gesühnt und ihr seid - Gäste.“ Pajuni wich dem fragenden Blick der Athosianerin aus und stand hastig auf. „Ich werde euch noch etwas Wasser bringen.“ Mit einer angedeuteten Verneigung entfernte er sich und eilte ins Waschhaus, um einen weiteren Krug zu holen.

Er war nicht geübt darin, mit Fremden zu reden, nicht gewandt genug, um eine Sache zu sagen und eine andere zu meinen. Es war schon sehr lange her, dass Besucher durch den Ring der Vorfahren in ihr Dorf gekommen waren. Die stetig wachsende Wüste, die sich direkt hinter dem ausgetrockneten Weideland bis hin zum Ring erstreckte, machte diese Reise für Wanderer fast unmöglich. Diejenigen, die diesen Planeten durch den Ring betraten, fanden es vermutlich nicht der Mühe Wert zu erkunden, ob es nach dem nicht enden wollenden Geröll noch Dörfer gab, mit denen sich der Handel lohnte.

Früher war es anders gewesen, vor der großen Dürre, die auch fast die Bewohner des Dorfes das Leben gekostet hatte.

Pajuni füllte einen der großen Tonkrüge mit Wasser und bracht ihn zurück zu den Gästen. Teyla und Ronon unterbrachen ihre leise Unterhaltung als Pajuni sich näherte und griffen nach ihren Trinkgefäßen. Pajuni schenkte Teyla nach, die sich höflich bedankte. Ihr Blick ruhte forschend auf ihm. Plötzlich nervös, biss Pajuni sich auf die Lippe. Seine Hand bebte leicht, als er Ronons Becher füllte und ein paar Wassertropfen fielen auf den trockenen Boden zwischen ihnen.

„Verzeihung“, murmelte Pajuni und stellte den Krug eine Armeslänge weiter am Fuß eines der Ude-Schößlinge ab. Seine Augen weiteten sich, als er den bräunlich-öligen Fleck im Sand direkt am Wurzelstock des Busches bemerkte. Rasch bückte er sich, hob etwas von dem verklebten, leicht schmierigen Sand auf und roch daran.

Toumi-Tee.

„Bei Taramus“, wisperte Pajuni entsetzt. Einer der beiden, die sich jetzt am Ort des Verborgenen befanden, hatte den Tee nicht getrunken, sondern weggeschüttet.

Einer dieser beiden war dem Grauen in der Zelle jetzt ausgeliefert.

~ooOoo~


Teil 3

Profile

sinaidas_fancorner: (Default)
sinaidas_fancorner

November 2011

S M T W T F S
  12345
678910 11 12
13141516171819
20212223242526
27282930   

Most Popular Tags

Style Credit

Expand Cut Tags

No cut tags
Page generated Jul. 27th, 2017 08:51 am
Powered by Dreamwidth Studios