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Teil 7

Teil 8

„Danke der Nachfrage, Colonel, aber ich werde später essen. Bin noch beschäftigt. McKay, Ende.“

Sogar das Knacken, mit dem Rodney die Verbindung beendete, klang ablehnend. John blinzelte überrascht und biss sich dann auf die Lippe. Das war nicht gut.

„McKay kommt nicht?“, erkundigte Ronon sich und musterte John über seine Wasserflasche hinweg.

„Nein. Er … isst später“, sagte John langsam.

„Das ist bedauerlich“, erwiderte Teyla aufrichtig. „Wir hatten schon lange nicht mehr die Gelegenheit alle zusammen zu essen.“

„Außerdem ist ‚später’ zu spät“, ergänzte Ronon trocken und biss in eine Hähnchenkeule.

John zwang sich zu einem Grinsen und zuckte mit den Schultern. „McKays Pech.“
Die Flügel und Keulen waren am ‚Pegasus-Hähnchen’-Tag immer besonders begehrt, aber auch diese Vögel hatten – wie die irdischen Hühner – nur je zwei von jeder Sorte. Daher kam jeder, der es irgendwie einrichten konnte, so früh wie möglich zum Essen. Allen voran McKay.

Normalerweise.

John stocherte in seinem Kartoffelbrei. Okay, Rodney ging ihm also offensichtlich aus dem Weg. Aber warum? Vor ihrer zu Mission nach M48 – D52 war schließlich noch alles in Ordnung gewesen.

Also was zum Teufel hatte dieser Klon ihm angetan?

„Teyla“, begann John zögernd. „War Rodney irgendwie … seltsam die letzen Tage? Hat … der Klon … hat er sich mit Rodney gestritten oder so?“

„Ich habe die letzten Tage nicht viel Zeit mit Rodney verbracht, John. Ich denke du solltest mit ihm reden, wenn du den Eindruck hast, dass es eine Auseinandersetzung zwischen ihm und dem Klon gegeben haben könnte.“ Sie lächelte beruhigend. „Aber selbst wenn das der Fall sein sollte, bin ich davon überzeugt, dass Rodney seine Verärgerung darüber nicht auf dich überträgt. Er weiß, dass er nicht du war.“

„Ja. Ja sicher“, murmelte John und schob ein paar Apfelstückchen auf seinem Tablett hin und her. Natürlich wusste McKay das. Aber er wusste auch, dass der Klon Johns Bewusstsein in sich getragen hatte. Und John gab sich keinen Illusionen hin, was für verdrehte und finstere Ecken es da gab. Unterdrückte Emotionen, Zorn, Leidenschaften, Dämonen der Vergangenheit. Ballast, den er mit krampfhaft geschlossenen Augen in einen Winkel stopfte, Dinge, mit denen er sich nicht beschäftigen konnte, wenn er weiter funktionieren wollte, die er einfach vergessen wollte, ohne jemals wieder darüber nachzudenken. Was, wenn der Klon etwas davon ans Licht gezerrt und ungefiltert und aus dem Zusammenhang gerissen auf Rodney losgelassen hatte? Johns Gedanken und Gefühle McKay gegenüber waren nicht immer nur eitel Sonnenschein. Denn, hey, es war McKay. Und gerade in der letzten Zeit, nach Doranda …

„Sheppard.“

Die Eindringlichkeit in Ronons Stimme ließ ihn ruckartig den Kopf heben und aufblicken. Ronon sah ihm direkt in die Augen und sagte mit Nachdruck: „Rede mit McKay. Der Klon war mit ihm allein. Vor dem Fluchtversuch. Frag ihn danach.“

„Was …?“ John schluckte. Sein Mittagessen lag ihm plötzlich wie Blei im Magen. „Was ist da passiert?“

Ronon zuckte mit den Schultern. „Nichts, vermutlich. Nur ein Gefühl. Frag McKay.“

John nickte entschlossen und stand hastig auf. Das würde er tun. Sofort.


***



Wenige Minuten später betrat er Rodneys Labor. „Hey, Rodney.“

McKay sah von seinem Laptop auf.

„Sheppard.“ Ein erfreutes Lächeln huschte über sein Gesicht, nur um sofort wieder zu verschwinden. „Ähm, wieder auf den Beinen, ja?“, fragte er und spielte mit dem Henkel seiner Kaffeetasse.

„Offensichtlich“, konterte John mit milder Ironie, trat näher und lehnte sich mit der Hüfte gegen den Tisch, an dem McKay saß. „Und keine bleibenden Schäden.“

„Gut.“ Rodney senkte den Blick, hob ihn erneut zu John, räusperte sich und lächelte mit einer Fröhlichkeit, die so echt war wie Falschgeld. „Das ist fantastisch. Dann hast du sicher noch eine Menge zu tun, Berichte zu lesen und … ja. Was man eben so tut, nachdem ...“ Er wedelte mit der Hand vor John auf und ab. „Jedenfalls kann ich dann ja beruhigt weiterarbeiten.“ Seine Finger wanderten bereits wieder zur Tastatur. „Ich bin nämlich gerade ziemlich …“

„Beschäftigt, ich weiß“, beendete John den Satz für ihn. Rodney wollte ihn schnell wieder loswerden, alles klar. Aber John würde erst dann gehen, wenn er erfahren hatte, was dahinter steckte. Er befeuchtete seine Lippen mit der Zunge. „Fünf Minuten deiner kostbaren Zeit, okay?“, sagte er und fragte sich, ob es tatsächlich so bittend klang, wie es sich für ihn anhörte.

McKay hämmerte weiter auf die Tastatur ein. Für einen Augenblick befürchtete John, dass Rodney ihn einfach so lange ignorieren würde, bis er aufgab und ging. Doch dann ließ McKay die Hände sinken, atmete tief durch und musterte John. „Gut. Fünf Minuten.“

„Okay.“ Wie sollte er anfangen? Zumindest das hätte er sich überlegen sollen. Er biss sich auf die Lippe. „Die letzten Tage, die ich … ähm … ‚verschlafen’ habe …“, mit den Fingern deutet er die Anführungszeichen an, „und in denen mein Doppelgänger aber umso wacher war – also, ich frage mich, was er so alles … getrieben hat, in der Zeit.“

„Hast du die Berichte nicht gelesen?“, fragte Rodney von oben herab und trommelte mit den Fingern auf den Tisch. „Ich hab’ dir meinen schon in aller Herrgottsfrühe geschickt.“

„Ja, ich hab’s gelesen. Ich dachte allerdings eher an … Details … die man nicht in Berichten findet, an …“ Ratlos zuckte John mit den Schultern. „Du weißt schon.“

Rodney verschränkt die Arme vor der Brust und musterte John stirnrunzelnd. „Nein, weiß ich eben nicht.“

John stemmte eine Hand in die Hüfte und gestikulierte mit der anderen, als könne er die Worte damit ans Tageslicht spulen. „Na ... Persönlicheres, wer, was gesagt hat … so was, eben.“

„Oh.“ Rodney presste die Lippen zusammen. Sein Blick irrte ab. „Dann solltest du Teyla und Ronon fragen. Wir beide …“ Er wedelte mit der Hand zwischen sich und John hin und her, „haben uns kaum gesehen, in der Zeit. Privat, meine ich.“

„Ja, Rodney, denn ich war in Stasis auf einem Wüstenfelsbrocken“, erwiderte John mit leichter Schärfe in der Stimme.

Rodney wirkte ertappt. „Ich meinte natürlich, dein Klon und ich.“

John nickte. „Rodney, du warst der Letzte, der mit ihm allein war bevor … bevor klar war, wer er wirklich ist.“

Rodney errötete. „Und? Inwiefern spielt das eine Rolle?“ Er reckte das Kinn.

„Das versuche ich gerade herauszufinden, okay?“ John funkelte ihn an und merkte im selben Moment, dass seine Antwort in dem Kontext ihres bisherigen Gesprächs wenig Sinn ergab. Rodney hatte es offensichtlich auch bemerkt, er wirkte erst verwirrt, dann weiteten sich seine Augen in blitzartiger Erkenntnis. Er hatte die eigentliche, entscheidende Frage erkannt, diejenige, die John bisher nicht gestellt hatte.

Rodneys Gesicht verschloss sich. „Wir waren hier, im Labor und haben versucht diese Schrift zu entziffern. Wir haben *gearbeitet*, Sheppard“, schnappte er. „Das *steht* übrigens im Bericht.“

John beugte sich vor und sagte mit Nachdruck: „Er war nicht ich, Rodney.“

Rodney presst die Lippen zusammen und senkte den Blick.

Alle Bestätigung, die John brauchte, um zu wissen, dass McKay etwas zu verbergen hatte.

„Dein Bericht ist nicht sehr aussagekräftig, okay?“ John holte tief Luft und lehnte sich wieder etwas zurück. „Und auch wenn keinem sonst etwas aufgefallen ist - irgendetwas hat er offensichtlich getan. Etwas, das ich nicht tun würde und …“

„Ich weiß, Sheppard. Er war nicht du.“ Rodney schüttelte den Kopf, wirkte plötzlich müde anstatt angriffslustig. „Jetzt weiß ich das.“ Wie zu sich selbst, sagte er: „Ich hätte es viel eher merken müssen.“

John sah ihn direkt an und stellte ruhig, aber eindringlich die entscheidende Frage: „Was ist passiert, Rodney?“

McKay erwiderte den Blick und antwortete einen Moment zu spät: „Nichts. Nichts ist passiert, Sheppard.“ Seine Augen senkten sich wieder auf die Tastatur vor ihm und er sagte leise: „Deine fünf Minuten sind um.“

***



John sammelte die neueste Ausgabe von Golf Digest, zwei Silver Surfer-Comics und einen Wälzer über - er runzelte die Stirn – Linguistik von dem kleinen Tisch in seinem Quartier und warf alles achtlos aufs Bett. Dann stellte er seinen Laptop auf den freien Fleck, setzte sich, holte tief Luft und klappte den Deckel entschlossen auf.

Rasch klickte er auf das Atlantis-Icon, gab seinen Sicherheitscode in das dafür vorgesehene Feld ein und wurde mit einem „Code akzeptiert“ belohnt.

Ein weiteres Fenster öffnete sich auf dem Bildschirm: Um mit diesem Vorgang fortzufahren, ist der gültige Sicherheitscode einer weiteren Person erforderlich. Um fortzufahren, geben Sie bitte den gültigen Sicherheitscode hier ein.

John zögerte einen Augenblick und starrte auf den anklagend blinkenden Cursor im leeren Eingabefeld. Er ließ die bereits erhobene Hand wieder sinken und rieb die plötzlich feuchte Handfläche an seiner Hose ab.

„Komm schon, John“, murmelte er. „Alles ist besser als diese Ungewissheit.“

Er hob die Finger wieder und tippte hastig, aber konzentriert, McKays Code ein.

Sicherheitscodes verifiziert, Lt. Col. John Sheppard und Dr. Rodney McKay. Wählen Sie bitte Position und Zeitindex.

John befeuchtete seine trockenen Lippen mit der Zunge und traf seine Auswahl: Position 3, Index 20.

Er klickte auf Vollbildmodus.

Auf dem Monitor erschien die Aufzeichnung der Überwachungskamera, aufgenommen aus dem typischen Winkel von leicht schräg oben. Schreibtische, Drehstühle, Computer, Regale und Schränke.

Labor drei um genau 20 Uhr, wie der eingeblendete Zähler am unteren Bildrand verriet.

Rodney befand sich alleine im Raum und saß vor drei laufenden Laptops.

Dank McKays exakten Berichts hatte John wohl tatsächlich den richtigen Zeitpunkt erwischt. Er ließ den angehaltenen Atem entweichen und lehnte sich etwas zurück.

Ein paar Minuten lang sah er zu, wie McKay seine Finger über die Tastatur tanzen ließ und gerade als er auf Schnellvorlauf drücken wollte, öffnete sich die Türe und jemand betrat das Labor.

Der Klon.

Johns Herzschlag beschleunigte sich. Obwohl er wusste, dass diese … diese Kopie von ihm sein genetischer Klon war, hatte er erwartet einen Unterschied zu erkennen, irgendetwas, das ihm signalisierte: Das bin nicht ich. Aber da war nichts. Es waren seine Bewegungen, seine Gesten, seine Mimik, wie er sie aus unzähligen Übungs- und Einsatzaufnahmen kannte. Kein Wunder, dass sonst niemand die Täuschung bemerkt hatte.

Angespannt lehnte John sich vor und kniff die Augen zusammen. Trug der Kerl etwa sein „Hemd für besondere Anlässe“? Was er in erster Linie mit nach Atlantis genommen hatte für … besondere Anlässe, eben. Privater Natur.

Was … was zur Hölle …?

Er schluckte gegen das plötzliche Aufflackern von hilflosem Ärger an und rieb sich mit beiden Händen übers Gesicht. Was hatte er erwartet? Der Kerl hatte drei Tage lang sein Leben gelebt, da war das Ausborgen seiner Klamotten wohl inbegriffen.

Aber ausgerechnet dieses Hemd …

So ziemlich das letzte Kleidungsstück, das John für eine reine Arbeitsbesprechung auswählen würde. Und der Typ da auf dem Bildschirm war seine Kopie.

John presste die Lippen zusammen, ignorierte das unangenehme Prickeln unter seiner Kopfhaut und zwang sich dazu, weiter zu beobachten, was auf dem Monitor geschah.

Rodney biss gerade in sein Sandwich, während der Klon mit einem Nicken zu einem der Laptops hin etwas sagte. Rodney schüttelte kurz den Kopf, begann eindringlich, unter Zuhilfenahme seiner Finger, etwas zu erklären. Dann warf er seinem Gegenüber einen seiner patentierten „Oh, bitte, beleidige nicht meine Intelligenz“–Blicke zu, den der andere Mann mit einem raschen Lächeln und einem Schulterzucken beantwortete.

Eine völlig alltägliche Szene, normal, gelöst. Und ein krasser Gegensatz zu der Beklemmung in Johns Inneren.

Nach einem Augenblick wandte Rodney sich wieder einem der Laptops zu, schob ihn näher an den Klon heran, stand schließlich auf, beugte sich über ihn und hantierte über seine Schulter hinweg mit der Maus. So nah, als wolle er in den anderen Mann hineinkriechen.

John spürte, wie seine Kehle eng wurde. Kam Rodney ihm sonst auch so nahe? Wohl nicht, denn das hätte er registriert. Und nicht vergessen.

Offenbar entdeckte der Klon gerade etwas Interessantes, denn er bedeutete Rodney den Mund zu halten. Trotz seiner Anspannung zuckten Johns Lippen kurz. Ja, das kannte er nur zu gut.

Rodney tippte etwas auf der Tastatur des anderen Laptops und blieb dann mit dem Gesicht zur Kamera vor einem der Labortische stehen.

Der Klon stand langsam auf. Etwas in seiner Haltung, in der Weise wie er auf McKay zuging, verursachte John mit einem Mal eine Gänsehaut. Da war etwas Fremdes, Bedrohliches in den Bewegungen.

Stocksteif saß John da. Mit angehaltenem Atem beobachtete er, wie sich der Klon McKay näherte. Rodney wich einen Schritt zurück, doch dieser Kerl drängte ihn gegen den Tisch. Für Sekundenbruchteile sah John noch McKays entsetzte, weit aufgerissene Augen, dann nahm ihm der Scheißkerl die Sicht.

John sog scharf die Luft ein, ballte die Hände zu Fäusten und öffnete sie langsam wieder. Er konnte nichts mehr tun. Zu spät. Das hier war schon Vergangenheit.

Mit großen Augen beobachtete er, wie der Klon nach Rodneys Arm griff und ihn … streichelte. Was zum …? Etwas Kaltes, Hartes krampfte sich in Johns Brust zusammen.

Er tastete nach dem Laptop und der Maus. Seine Hände bebten so stark, dass es ihm erst nach dem dritten Anlauf gelang, auf das Lautstärke-Symbol zu klicken.

… Ich war mir zuerst nicht sicher, aber … aber jetzt … Rodneys Stimme kam von Rauschen begleitet und viel zu laut aus dem kleinen Lautsprecher.

Hastig regulierte John den Ton.

Der Klon flüsterte etwas, das in den Nebengeräuschen unterging, und hielt McKay jetzt mit beiden Händen an den Oberarmen fest, presste seinen Körper gegen Rodneys und drängte ihn weiter gegen die Tischkante. Mehr gewisperte Worte, zu undeutlich, um sie wirklich zu verstehen. Verflucht, wenn er wenigstens Rodneys Gesicht sehen könnte, anstatt nur den Rücken, dieses … dieses …

Mit schmalen Augen beobachtete John die Bewegungen und das Spiel der Muskeln, die Neigung des Kopfes und er schluckte gegen das bittere Brennen an, das in seiner Kehle hochstieg, als ihm klar wurde, was da geschah. Der Fremde, der vorgab er zu sein, küsste McKay, zwang sich ihm auf und … warum wehrte Rodney sich nicht? Warum stand er da mit hilflos herabhängenden Armen, und ließ zu, dass …?

Weil er denkt, dass ich es bin. Weil er mir vertraut. Vertraut hat. Verdammt.

John presste für einen Moment einen Handballen gegen seine Stirn, hinter der es schmerzhaft pochte.

Plötzlich – endlich - hob Rodney seine Arme und …

… schlang einen um die Taille des anderen Mannes, zog ihn an sich, während seine andere Hand den Hinterkopf des Klons hielt, ihn sanft aber nachdrücklich in den perfekten Winkel brachte und … den Kuss erwiderte.

Fassungslos blinzelte John. Hatte er richtig gesehen?

Offensichtlich.

Das Stöhnen und erregte Atmen, das hastige Nach-Luft-Schnappen zwischen den wilden, leidenschaftlichen Küssen, Rodneys Finger, die unter dem Hemd verschwanden, sich hart und bestimmt in die Schulter des anderen Mannes gruben, um dann zärtlich, spielerisch seinen Nacken hinauf in sein Haar zu gleiten …

Es gab keinen - nicht den geringsten – Zweifel, dass Rodney jede Sekunde genoss.

Mit bebenden Fingern fuhr John sich übers Gesicht, saß mit gesenktem Kopf da, umgeben von den Geräuschen der Aufzeichnung.

Der Winkel in seinem Bewusstsein in den er all die verwirrenden Dinge, die Rodney McKay betrafen, hineinsteckte, war gefährliches, zum größten Teil unerforschtes Terrain. Widersprüchliche Emotionen, faszinierende Momentaufnahmen – ein Lächeln, geschickte Finger auf einem Keyboard, breite Schultern – und Fantasien, die manchmal traumgleich in seinem Sinn auftauchten, wenn er zu erschöpft und zu einsam war, um sie schon im Ansatz zu ersticken.

Dieser Bastard hatte sie entdeckt und ans Tageslicht gezerrt und zwang John damit zu einer Entscheidung, die er nie hatte treffen wollen.

Er biss sich hart auf die Lippe. Selbst wenn er so tat, als hätte er diese Aufzeichnung nie gesehen – er würde nie vergessen können, was er jetzt über McKay wusste. Und über sich.

Will ich das vergessen? Oder …?

Er blickte wieder auf. Was sich jetzt auf dem Bildschirm abspielte war auf erschreckende Weise … atemberaubend perfekt. Es war nicht nur Lust und Leidenschaft, sondern … mehr.

Rodneys Finger, die sanft, so sanft seinen Nacken streichelten, durch sein Haar fuhren, Rodneys Hand unter seinem Hemd, warm auf seiner Haut. John schluckte hart, spürte das Kribbeln der Phantomberührung bis in seine Zehenspitzen und als die Männer auf dem Bildschirm sich wieder voneinander lösten, ihre Kleidung ordneten, fühlte er sich beraubt, leer.

Ich könnte das haben. Genau das.

Der Rodney auf dem Bildschirm ging mit raschen Schritten auf den Klon zu, der sich schon zum Gehen gewandt hatte, nahm sein Gesicht zwischen die Hände und küsste ihn. Dann lächelte er. Voller Zuneigung und Erwartung. So verdammt glücklich.

„Rodney“, murmelte John hilflos. Sein Kopf schwamm.

Rodney will das. Rodney will …Und ich …? Was will ich?

Das schrille Summen des Türmelders ließ ihn zusammenzucken.


***



„Hi.“ Rodney lächelte zögernd, als sich die Tür für ihn öffnete. In der Hand hielt er einen in Packpapier eingeschlagenen Gegenstand. „Kann ich reinkommen?“

Natürlich, ausgerechnet McKay und ausgerechnet jetzt. „Sicher“, erwiderte John und räusperte sich, als er merkte, wie gepresst seine Stimme klang. Mit einem raschen Blick über die Schulter vergewisserte er sich, dass er das Programm eben tatsächlich geschlossen hatte, und trat etwas zur Seite.

Rodney ging dicht an ihm vorbei und plötzlich nahm John ihn, seine Körperwärme, seinen Geruch, die vibrierende Energie in seinen Bewegungen mit verwirrender Intensität wahr. So als hätte das Betrachten des Videos seine Sinne neu kalibriert und er bemerkte jetzt Nuancen, die ihm bisher entgangen waren. Unwillkürlich folgte er Rodney mit Blicken, als er ein paar Schritte in das Zimmer hineinging und sich dann zu ihm umdrehte. Die Tür schloss sich wieder.

Rodney sah ihn rasch an, dann senkte er den Blick auf das Päckchen, das er nervös von einer Hand in die andere wandern ließ. „Gut, also“, sagte er leise und sah wieder auf. In seinen Augen war ein Hauch Unsicherheit und der für ihn typische Ausdruck, wenn er kurz davor war, etwas Tapferes zu tun, das er sich selbst nicht wirklich zutraute. Mit dem Daumen strich er gedankenverloren über das Papier. Sie war hypnotisch, diese leichte, gleichmäßige Bewegung. John spürte, wie seine Haut prickelte, wie in Erwartung dieser Berührung.

Diese Finger in seinem Haar, unter seinem Shirt, auf seinem Körper …

Er musste sich dazu zwingen aufzublicken, als Rodney weiter sprach:

„Ich … ähm … wollte nur schnell …“ Er holte tief Luft. „Ich meine, wegen vorhin … Ich habe nachgedacht, über …“ Seine Rechte wedelte unbestimmt durch die Luft, als könne er die fehlenden Worte dort irgendwo finden. John sah sich plötzlich völlig gebannt von dieser Geste, von Rodneys agilen Fingern, der Linie seines Armes, seiner Schultern. Er wollte die Hände ausstrecken und diese Bewegung spüren, Rodney spüren, das Kratzen von Bartstoppeln und das erregende Gefühl von weichen Lippen unter seinen.

Hastig schob er die Fäuste in seine Hosentaschen, als ihm bewusst wurde, dass er kurz davor war, es einfach zu tun, Rodney einfach zu berühren.

Keine Frage, wie McKay darauf reagieren würde – er hatte es auf dem Band gesehen. Aber war es nur das, was Rodney wollte? Nur … Sex? Oder mehr? Es hatte nach mehr ausgesehen, der Ausdruck auf Rodneys Gesicht, sein Lächeln, aber – verdammt – wie gut war er tatsächlich darin, McKay einzuschätzen? Doranda hatte bewiesen, wie falsch er damit liegen konnte.

Und würde er selbst sich darauf einlassen, wenn es für Rodney nicht mehr wäre als nur etwas Spaß und ein nettes, praktisches Arrangement bis zur nächsten Katie Brown?

Nein. Das würde nicht funktionieren. Er könnte das nicht.

Etwas stieß leicht gegen seine Brust.

„… wollte dir das hier geben“, hörte er Rodney plötzlich sagen. John blinzelte und sah sich mit dem Päckchen konfrontiert, das Rodney ihm auffordernd hinhielt. Automatisch griff er danach. Er hatte von Rodneys Rede kein einziges Wort mitbekommen.

Ungeschickt, mit leicht bebenden Fingern, entfernte John das Packpapier, legte es auf sein Bett und blickte stirnrunzelnd auf den Gegenstand in seiner Hand. Das Foto von ihm und Evel. Fragend sah er Rodney an. „Mein Bild? Wie ist das bei dir gelandet? Ich habe mich schon gewundert, wo es abgeblieben ist.“ Er betrachtete es, berührte den viel zu breiten, gelb gemusterten Rahmen, der ihm irgendwie bekannt vorkam. „Ein neuer Rahmen?“

„Ja.“ Rodney nickte bestätigend. „Ja, ich … ähm … habe es in deinem Quartier gefunden, auf dem Boden. Als ich deine Sachen geholt habe, gestern. Der Rahmen war zersplittert und ich dachte …“ Ein rasches, unsicheres Lächeln. „Nun, Bilderrahmen gibt es hier nicht an jeder Straßenecke und zufällig … zufällig hatte ich einen passenden.“ Rodney verzog kurz das Gesicht und gestikulierte in Richtung des Fotos. „Nun ja, ‚passen’ ist wohl übertrieben, er ist zu breit und ein schlichterer Rahmen wäre besser, aber ich dachte, bis … bis du Gelegenheit hast einen neuen zu ordern …“

John nickte und betrachtete Bild und Rahmen von allen Seiten. Wo hatte er das Ding schon gesehen? „Danke“, sagte er schließlich und lächelte.

Rodney erwiderte das Lächeln und deutete mit dem Finger auf das Bild. „Du kannst ihn aufstellen, da ist auf der Rückseite so ein kleiner … so eine Halterung zum Rausklappen. Dreh ihn mal um.“

Gehorsam drehte John den Rahmen um. „Okay, danke.“

Rodney nickte. „So, dann … Ich geh jetzt.“

„Ja. Du hast sicher noch zu tun.“

„Ja. Ja, sicher“, entgegnete Rodney, zögerte kurz, als wolle er noch etwas sagen, drehte sich dann aber um und ging zur Tür.

John zog versuchsweise an dem Aufsteller an der Rahmenrückseite. Das Bild würde ziemlich schräg stehen, wenn …

Und plötzlich traf ihn die Erkenntnis: Rodneys Katzenfoto! Das war der Rahmen von Locklears Bild. Heather Locklear, Rodneys heißgeliebter Kater, der mit dem Namen einer blonden Schauspielerin leben musste.

Johns Blick flog hoch und zur Tür. Er starrte auf Rodneys Hand, die gerade den Türöffner betätigen wollte, auf Rodney, der gleich durch diese Tür gehen würde und mit ihm dieser Moment und diese Chance.

„Rodney, warte!“

Rodney drehte sich um und sah ihn fragend an.

John hielt das Bild hoch. „Dein Rahmen. Warum?“

„Weil …“ Rodney kam wieder näher. „Okay, das hört sich ziemlich … seltsam an, wenn man es ausspricht, aber …“ Er lächelte nervös und rang die Hände. „Das … das Bild ist das Einzige, das du besitzt. Es ist … es ist dir ... wichtig, wie man sieht und … der Klon hat es zerstört.“ Er holte tief Atem und deutete auf das Foto. „Nun, nicht das Bild an sich, natürlich, aber ohne Rahmen kannst du es schlecht dahin stellen wo es war und ich kann mir vorstellen, dass du … möglichst viel wieder so haben möchtest wie es war. Bevor ... bevor jemand drei Tage lang so getan hat als wäre er du“, schloss er, in den Augen eine eigenartige Mischung aus Hoffnung, Verletzlichkeit und Nervosität.

John sah Rodney groß an. Er wusste zwar, dass in Rodney wesentlich mehr steckte, als das arrogante, ruppige Äußere zuerst vermuten ließ, aber das hier hatte er doch nicht erwartet. Dass Rodney Mitgefühl und Verständnis für ihn zeigte und … John betrachtete das Geschenk in seiner Hand … und mehr. Dass er das Feingefühl hatte, genau das Richtige im richtigen Moment zu tun.

„Ich weiß nicht was …“ John biss sich auf die Lippe. Es gab nichts Adäquates, das er jetzt erwidern konnte. „Danke“, sagte er schließlich leise und meinte diesmal nicht den Rahmen selbst, sondern die Tatsache, dass Rodney auf diese Weise versuchte, John etwas von dem zurückzugeben, was diese drei Tage ihn gekostet hatten.

„Bitte, gern geschehen.“ Rodney klang erleichtert und etwas verlegen. „Gut, ich sollte jetzt wirklich …“

John sah auf und hörte sich plötzlich sagen: „Ich habe die Aufzeichnung der Sicherheitskamera gesehen. Ich habe euch gesehen, dich und den … meinen Klon. Im Labor.“

Aus weit aufgerissenen Augen sah Rodney ihn an. Sein Blick flog zum Laptop auf dem Tisch, dann wieder zu John. Rodney wurde blass, dann knallrot und sagte: „Oh!“

John nickte, das Blut rauschte in seinen Ohren und er fühlte sich etwas benommen, jetzt, da die volle Tragweite seiner Worte zu ihm durchdrang. Jetzt gab es kein Zurück mehr. Aber diesmal war es seine Entscheidung.

„Ja.“

Rodney rieb sich mit den Händen übers Gesicht. „Du meinst, du hast gesehen wie …?“

„Wie ihr euch … ähm … ja.“

„Das ist …“ Rodney schluckte und sagte leise: „Das ist … Großer Gott!“ Er begann unruhig zwischen der Tür und John auf und ab zu gehen, blieb plötzlich stehen und warf John einen verletzten, anklagenden Blick zu.

„Warum hast du das getan? Ich habe dir gesagt, dass nichts passiert ist, dass er mir nichts … nichts angetan hat.“ Er deutete mit ausgestecktem Arm auf den Laptop. „Das da warst nicht du, Sheppard. Und du hättest das nie erfahren müssen. Es ist schon schlimm genug, dass ich …“ Er sah kurz zu Boden und suchte dann Johns Blick. „Er war nicht du.“

„Nein, McKay, aber du hast gedacht, er wäre ich, als …“ John unterbrach sich, als er etwas wie Schmerz und Schock über Rodneys Gesicht huschen sah. Hatte er etwas Falsches gesagt? „Rodney, was ist …?“

Rodney straffte sich, sein Mund eine unglückliche, schmale Linie. Fast schon förmlich sagte er: „Ich … ich kann verstehen, dass du jetzt … schockiert bist und es wäre sinnlos, zu behaupten, dass er mich gezwungen hat, denn … ja, die Aufzeichnung spricht wohl für sich. Ich bin mir bewusst, dass du nie …“

„Rodney.“

„Jedenfalls, es … es ist kein Problem. Gut, sicher, es ist ein Problem, für dich, das verstehe ich, aber ich werde mein Möglichstes tun, damit meine … meine unpassenden Gefühle für dich nicht unsere Arbeit gefährden und …“

„Rodney!“

„Ich werde … ich werde mich dir gegenüber nicht in irgendeiner Weise kompromittierend verhalten, das verspreche ich, aber ich kann auch verstehen, wenn du dir jetzt nicht sicher bist …“

„McKay!“

Der scharfe Ton, den John bei Missionen benutze, um Rodney dazu zu bringen, das Unmögliche noch schneller zu schaffen, wirkte sofort.

Rodney hielt inne und blinzelte. „Was?“

„Es ist okay“, sagte John fest.

„Es ist okay?“ Rodney sah ihn ungläubig an. „Was meinst du damit? Ich meine … es stört dich nicht, dass ich … dass ich …?“ Er gestikulierte, suchte sichtlich nach Worten und gab dann mit einem leichten Seufzen auf.

John schüttelte leicht den Kopf und holte tief Luft. „Ich meine damit, dass es okay ist. Und es stört mich nicht. Im … ähm … im Gegenteil.“

Rodney rieb sich die Stirn. „Hör zu, Sheppard, das … Ich weiß du redest nicht gerne über … über solche Dinge, ich auch nicht, nebenbei bemerkt, aber … zu wissen, dass jemand etwas für dich empfindet, das du nicht erwiderst, kann erfahrungsgemäß sehr schnell ein Problem werden, auch wenn man das nicht will, denn …“ Ruckartig hob er den Kopf und starrte John an. „Wartewartewarte – im Gegenteil? Was meinst du damit?“

John befeuchtete die plötzlich trockenen Lippen mit der Zunge. „Der … der Klon hat vieles getan, was ich nie tun würde, das stimmt. Aber das …“ Er bewegte seine Hand zwischen sich und Rodney hin und her. „Das hat er wohl bei mir ausgegraben. Aus meinem Kopf.“

„Was?“ Jetzt klang Rodney fast empört. „Sein wann interessierst du dich für Männer? Er kam näher, betrachtete John einen Moment lang forschend und sagte dann leise, mit Staunen in der Stimme: „Du … du meinst das tatsächlich ernst.“ Langsam, als befürchte er eine hastige Bewegung würde John erschrecken, berührte er ihn mit den Fingerspitzen an der Schulter und fragte: „Dir ist klar, dass dich das in alle erdenklichen Schwierigkeiten bringen könnte?“

„Ja. Ja, ich weiß.“ Müde fuhr John sich mit der Hand übers Gesicht.

„Du willst das trotzdem?“

John ließ die Hand sinken, sah in Rodneys fragende Augen und nickte nur.

Rodneys Finger glitten in seinen Nacken und John überließ sich ihrer Führung, ließ sich, plötzlich weich in den Knien, eng an Rodney heranziehen und presste sein Gesicht in dessen Halsbeuge.

„Ich bin mir nur nicht sicher, ob das die beste Idee ist, die wir je hatten, oder die schlechteste“, wisperte Rodney dicht an seinem Ohr.

„Beides“, murmelte John gegen Rodneys Hals, atmete den Duft seiner Haut ein, schlang einen Arm um seine Taille und den anderen um seine Schultern. Von den wichtigsten Beziehungen in seinem Leben waren nur noch Trümmer und Scherben übrig. Sein Vater, Dave, Nancy. Seine eigene Schuld, zu einem großen Teil.

Hoffentlich würde das hier, diese … diese Sache mit Rodney, gut gehen. Hoffentlich würde er das nicht auch vermasseln.

Er zog Rodney noch etwas fester an sich.


***



Epilog


Es war eine Woche nach der Entdeckung und Zerstörung der Aurora als Rodney ihn mitten in der Nacht weckte.

„Was?“, murmelte John schlaftrunken und tastete automatisch nach seinem Headset, das er auf Rodneys Nachttisch gelegt hatte. Auf das nach wie vor rahmenlose Foto Locklears.

Rodney griff nach seiner Hand und hielt sie fest. „Nein, kein Notfall. Nun, nicht wirklich, jedenfalls. Ich … ich will dich etwas fragen.“

„Mitten in der Nacht? Es ist …“ John blinzelte zum Wecker, „zwei Uhr zwanzig.“ Er blinzelte Rodney an, der neben ihm auf dem Bett saß, hellwach, in Boxershorts und T-Shirt und das obwohl sie beide vor knapp drei Stunden gemeinsam ins Bett gegangen waren. Deutlich spärlicher bekleidet.

John gähnte, setze sich auf und sah sich um. Der Bildschirm des aufgeklappten Laptops warf einen bläulichen Schein in den Raum.

Aha.

Rodney folgte Johns Blick zum Tisch. „Ja, ähm, ich bin aufgewacht und hatte eine Idee, was die Rekalibrierung der …“

„Rod-ney!“

John ließ den Oberkörper wieder zurück auf die Matratze fallen und unterdrückte den Wunsch, sein Gesicht im Kopfkissen zu vergraben. Oder das Kissen nach Rodney zu werfen. Nein, besser - nach dem verdammten Laptop.

McKay verstummte und winkte ab. „Gut, das ist jetzt nicht wirklich wichtig. Jedenfalls ist mir, als ich so über den Berechnungen saß, etwas eingefallen, was ich dich schon eine Weile fragen wollte.“

John entzog Rodney seine Hand, legte den Arm über die Augen und fragte mit einem gequälten Stöhnen: „Und es hätte nicht noch eine kleine Weile warten können? Bis morgen, zum Beispiel?“

„Ja. Nein … hör zu, ist das nicht egal? Jetzt bist du ja schon wach.“

„Weil du mich geweckt hast.“ John seufzte. „Also, schieß los.“

„Als du die Sicherheitsbänder angeschaut hast, von mir und dem Klon - wessen Code hast du da benutzt?“

„Was?“ John nahm den Arm von den Augen und starrte Rodney an.

„Um die Aufzeichnung zu sehen, brauchst du einen zweiten Code. Wie bist du da dran gekommen?“

„Und deswegen weckst du mich mitten in der Nacht auf? Das ist jetzt so wichtig?“

„Ja“, sagte Rodney und reckte das Kinn. Unter Johns finsterem Blick sank er sichtlich in sich zusammen. „Gut, nein, nicht wirklich, aber – jetzt ist genauso gut, wie jeder andere Zeitpunkt und ich wollte es nicht wieder vergessen. Zu fragen, meine ich. Und ich will sicher sein, dass Zelenka nichts damit zu tun hat. Er … er guckt manchmal so eigenartig und ich frage mich, was er weiß. Über uns.“

John warf einen belustigten Blick gen Himmel. „Du hast schon immer behauptet, dass Zelenka komisch guckt und ich kann es ihm auch nicht verdenken.“ Er grinste schief. „Er arbeitet schließlich mit dir.“

„Witzig, Sheppard.“ Rodney rollte leicht die Augen. „Okay, wenn nicht Zelenkas Code, wessen dann? Carsons? Lornes? Elizabeths? Die Codes sind nirgendwo hinterlegt, jemand muss ihn dir gegeben haben und dieser jemand könnte, wenn auch nicht absichtlich ...“

Okay, daher wehte also der Wind.

„Rodney“, unterbrach ihn John und setzte sich auf.

„Hm?“, fragte Rodney ohne die übliche Herausforderung, die er sonst in diese eine Silbe packte und musterte eingehend das Bettlaken.

„Niemand hat mir einen zweiten Code gegeben.“ John griff nach Rodneys Hand und verschränkte ihre Finger miteinander. Er studierte ein paar Sekunden lang Rodneys Gesicht, sah die Anspannung darin, die Befürchtung das hier, ihn, zu verlieren und spürte eine Welle von Zuneigung.

„Hey“, sagte er sanft. „Niemand wird uns was anhaben. Uns wird nichts passieren.“ Er suchte Rodneys gesenkten Blick. „Mir wird nichts passieren.

Die Anspannung verließ Rodney und er holte tief Atem. „Gut. Das ist ... gut, John.“ Er lächelte, etwas verlegen, wie ertappt. „Aber woher... ?“

„Dein Code. Du hast ihn mir mal gesagt.“ John drückte Rodneys Finger noch einmal, ehe er die Hand zurückzog.

„Du … du hast ihn dir gemerkt?“ Rodneys Augen wurden groß. „Ich meine, das war praktisch im Vorbeigehen, so zwischen Tür und Angel.“

John zuckte mit den Schultern. „Gutes Zahlengedächtnis. War auch nicht weiter schwer. Die Geburtsjahre von Genies, deines und ein bisschen verrückte Science-Fiction.“

Rodney strahlte jetzt und hatte die kleine Stichelei offensichtlich überhört: „Du hast sie dir nicht nur gemerkt, du weißt auch wofür die Zahlen stehen. Das ist …“ Seine Pupillen weiteten sich und sein Blick, intensiv wie eine Berührung, wanderte über Johns nackten Oberkörper und fiel dann auf seinen Mund. John spürte ein angenehmes Prickeln in seiner Magengrube, als Rodney sagte: „John, du … du hast keine Ahnung wie scharf ich das finde.“

„Mhmmm, doch.“ Einladend schlug John die Decke zurück. „Komm wieder ins Bett.

Rodney folgte der Aufforderung sofort. „Ich bin jetzt … ziemlich wach“, erklärte er hoffnungsvoll.

„So ein Zufall, ich auch“, lächelte John, zog Rodney in seine Arme, rieb mit seinen Händen zärtliche Kreise auf seinen Rücken und seufzte zufrieden als er Rodneys Lippen auf seinem Hals und Rodneys Finger in seinem Haar spürte.

Er hatte in den letzten Wochen eine Menge Neues über Rodney gelernt. Wie beispielsweise diese Angewohnheit mitten in der Nacht aufzustehen, weil ein Geistesblitz ihn nicht weiter schlafen ließ. Seine Albträume, aus denen er manchmal schweißgebadet hochschreckte. Sein Blick, wenn John einen raschen Kuss in einem unerwarteten, unbeobachteten Moment von ihm stahl - weich und offen und auf eine Weise verletzlich, die John deutlicher als alle Worte zeigte, wie viel Rodney diese … Sache zwischen ihnen tatsächlich bedeutete.

Und John hatte im Gegenzug Erstaunliches über sich selbst gelernt. Dass er in den Nächten, in denen Holland, Sumner und Ford ihn als schwarze, anklagende Schatten heimsuchten, tatsächlich wieder einschlafen konnte, weil Rodney ihn unbeholfen tätschelte und schlaftrunken murmelte: „Hey, es ist okay, John. Nur ein Traum.“
Dass es befreiend war und nicht einengend mit einem schweren, warmen Arm über seiner Brust aufzuwachen. Dass keine Panik seine Kehle zuschnürte, als Ronon plötzlich begann vor Rodneys Quartier zu warten, um ihn zu ihrem morgendlichen Lauf abzuholen.

John nahm Rodneys Gesicht zwischen seine Hände, genoss den Kontrast zwischen rauen Bartstoppeln unter seinen Fingerspitzen und weichen Lippen auf den seinen.

Sie küssten sich, gemächlich, sinnlich, ohne jede Eile.

Ja, es war eine gute Idee gewesen, diese Sache zwischen ihnen – die Beste – und wenn sie die Überraschungen überlebten, die diese Galaxie für sie bereithielt, hatten sie noch Jahrzehnte, um heraus zu finden, wie gut tatsächlich.

Alle Zeit der Welt.


Ende




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